{"id":306,"date":"2020-11-27T10:56:28","date_gmt":"2020-11-27T09:56:28","guid":{"rendered":"https:\/\/beta.woerterwerkstatt.com\/?page_id=306"},"modified":"2021-04-30T11:36:03","modified_gmt":"2021-04-30T09:36:03","slug":"sonas-alptraum","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.woerterwerkstatt.com\/?page_id=306","title":{"rendered":"Sonas Alptraum"},"content":{"rendered":"\n<p>Es war bereits nach Mitternacht, als Leon Sona, Kommissar bei<br>der Berliner Mordkommission, pl\u00f6tzlich von dem Klingeln seines<br>Handys aufwachte. Gerade rechtzeitig, denn eine dunkle Person<br>hatte ihn durch seine Tr\u00e4ume gejagt. Eine halbe Stunde sp\u00e4ter<br>stand er verschlafen in einer dunklen st\u00e4dtischen Gasse vor ei-<br>nem Club und wartete auf Inspektor Lisewic, der ihn hergebeten<br>hatte. Das war nicht einfach nur ein Club, es war ein Tatort! Der<br>grauenhafte Anblick des Toten lie\u00df ihn kurz schaudern, doch er<br>musste sich zusammenrei\u00dfen. \u201eDer Mann war T\u00fcrsteher, mehr-<br>mals vorbestraft und es sind keine Familienmitglieder bekannt\u201c,<br>erkl\u00e4rte Inspektor Lisewic und fuhr fort: \u201eEr ist gegen 11 Uhr von<br>hinten mit einem Metallrohr erschlagen worden und wurde kurz<br>darauf von einem Passanten tot aufgefunden.\u201d Sona und Lisewic<br>untersuchten den Tatort genau und befragten die Besucher des<br>Clubs, die zu dem Todeszeitpunkt vor Ort gewesen waren. Keiner<br>hatte etwas gesehen. Ein d\u00fcsteres Geheimnis lag \u00fcber dem Tatort.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Wecker klingelte viel zu fr\u00fch. Sona f\u00fchlte sich, als ob er<br>die Augen gerade erst geschlossen h\u00e4tte. Zerschlagen und \u00fcber-<br>m\u00fcdet reichten seine Gedanken kaum weiter als bis zur Kaffee-<br>maschine. Doch sobald er an einem Fall arbeitete, konnte ihn<br>nichts mehr abhalten. V\u00f6llig ohne Erinnerung, wie er ins Bett ge-<br>kommen war, stolperte er aus dem Bett, \u00fcber den Berg mit der<br>schmutzigen W\u00e4sche. Schuhe voller Erdklumpen lagen im Gang,<br>ein Spaten und eine ausgerissene Gartenzaunstange standen im<br>Flur. \u201eIch muss das Zeug wieder runter in den Garten bringen\u201c,<br>dachte Sona, w\u00e4hrend er in die K\u00fcche stolperte. Seine Augen tr\u00e4n-<br>ten. Kurze Zeit sp\u00e4ter sa\u00df er mit einem Becher Kaffee in der Hand<br>im Auto und machte sich auf den Weg zur Polizeistation.<\/p>\n\n\n\n<p>Dort angekommen besah er sich nochmal jedes bekannte De-<br>tail. \u201eWei\u00df man, wer zu der Zeit des Mordes in dem Club war?\u201c,<br>fragte Kommissar Sona seinen Kollegen, Inspektor Lisewic. \u201eWir<br>haben eine Liste mit den Personen, die zu dem Zeitpunkt da wa-<br>ren\u201c, meinte Lisewic und schlenzte ihm die Liste gelangweilt auf<br>den Schreibtisch. \u201eAber niemandem ist etwas Verd\u00e4chtiges aufge-<br>fallen. Und nat\u00fcrlich hat auch niemand die Tat beobachtet. Kein<br>Wunder in dem dunklen Schuppen \u2026 Allerdings haben wir in der<br>Tasche des Opfers ein Handy gefunden. M\u00f6chtest du es sehen?\u201c<br>\u201eJa, bitte\u201c, antwortete Sona, \u201eendlich mal etwas, das mich weiter-<br>bringt.\u201d Er durchsuchte das Handy nach irgendetwas Verd\u00e4chti-<br>gem. Zuerst schien auch alles normal, bis er auf einen Chat mit<br>einem gewissen Jim Kram stie\u00df. Dieser hatte dem Toten vor einer<br>Woche gedroht, dass \u201eetwas Schlimmes passieren w\u00fcrde, wenn<br>er ihm nicht sein Geld zur\u00fcckgeben w\u00fcrde.\u201c \u201eWer ist das?\u201c, fragte<br>Sona, \u201eund was hat es mit dem Geld auf sich?\u201c \u201eOffenbar ging es<br>hierbei um Schulden, die das Opfer bei Kram hatte\u201c, antwortete<br>Lisewic und erg\u00e4nzte: \u201eDie Mordwaffe wurde \u00fcbrigens sehr wahr-<br>scheinlich aus einem rostigen Gartenzaun in der N\u00e4he herausge-<br>brochen.\u201c \u201eKonnte sie sichergestellt werden?\u201c \u201eNein\u201c, meinte Li-<br>sewic. \u201eDer T\u00e4ter muss sie mitgenommen haben.\u201c \u201eOkay\u201c, meinte<br>Sona zu Lisewic, \u201eich werde mal schauen, was ich \u00fcber den Ver-<br>d\u00e4chtigen herausfinden kann und wo er sich gestern Nacht auf-<br>gehalten hat. Befrag du bitte weiter die Zeugen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDieser Jim Kram hatte h\u00f6chstwahrscheinlich ein Motiv\u201c,<br>dachte der Kommissar, w\u00e4hrend er das B\u00fcro verlie\u00df. Dass er das<br>Opfer wegen des Geldes get\u00f6tet hatte, erschien plausibel. Denn<br>Gewalt wurde von vielen als Mittel eingesetzt, um Schulden ein-<br>zutreiben. Aber irgendetwas war seltsam, entzog sich seiner Er-<br>innerung. Sona bl\u00e4tterte seine Notizen durch. \u201eEgal, jetzt konzen-<br>triert arbeiten!\u201c, ermahnte sich Sona selbst.<br>Der Vormittag brachte keine neuen Erkenntnisse. Krams gab<br>es in Berlin Hunderte. Und auch Lisewics Befragung der Zeugen<br>brachte nichts. Keinerlei Hinweise, keine Tatzeugen. Schlie\u00dflich<br>fand Lisewic doch noch im Telefonbuch einen Jim Kram, der in<br>Frage kam. Sona heftete sich sofort an seine Spur. Er besorgte<br>sich einen Durchsuchungsbefehl f\u00fcr Krams Wohnung. Dort wur-<br>de man schnell f\u00fcndig: Handschuhe mit Blut. Nach einer Unter-<br>suchung im Labor stellte sich heraus, dass es das Blut des Verstor-<br>benen war. Der Fall schien klar.<br>Jim Kram wurde kurz darauf aufgrund der eindeutigen Indi-<br>zien verhaftet. Vor dem Haftrichter hatte er immer wieder beteu-<br>ert, unschuldig zu sein. Er habe dem Mann wohl gedroht, um das<br>Geld zur\u00fcckzubekommen. Aber er h\u00e4tte ihn niemals anger\u00fchrt.<br>Der Richter konnte angesichts der vorliegenden Beweise nicht<br>anders: Kram wurde in Untersuchungshaft gesteckt. Der Fall<br>schien f\u00fcr alle abgeschlossen \u2013 M\u00f6rder gefunden!<\/p>\n\n\n\n<p>Sona musste nur noch einen Abschlussbericht schreiben.<br>Doch sein Instinkt warnte ihn: Das war zu glatt gelaufen. Die Dro-<br>hung auf dem Smartphone, die blutigen Handschuhe in Krams<br>Wohnung. Irgendetwas stimmte nicht. Sein Verstand h\u00e4mmerte<br>ununterbrochen. Das konnte es noch nicht gewesen sein. Irgend-<br>ein Detail fehlte. Irgendetwas hatte er \u00fcbersehen. Doch was? Ge-<br>rade als er dabei war, die letzten W\u00f6rter zu tippen, klingelte das<br>Telefon. Am H\u00f6rer war die Freundin von Jim Kram. Sie schwor,<br>dass der Angeklagte niemals zu einem Mord f\u00e4hig w\u00e4re. Nun ja,<br>das h\u00f6rte Sona oft. Viel wichtiger war aber: Er konnte es gar nicht<br>gewesen sein. Die Frau hatte den ganzen Abend zusammen mit<br>Kram im Kino verbracht. Sie kam vorbei und zeigte die Kinokar-<br>ten vor. Das war der Beweis. Kram konnte diesen Mord nicht be-<br>gangen haben \u2013 zumal das Kino auch am anderen Ende der Stadt<br>lag. Das Alibi war wasserdicht. Sona musste Kram laufen lassen.<br>Die Ermittlungen standen wieder am Anfang. Sona warf sei-<br>nen gerade fertig gestellten Abschlussbericht frustriert in den Pa-<br>pierkorb. Er musste den Fall wohl oder \u00fcbel wieder aufnehmen.<br>Kram hatte nicht gelogen. Die Frau war bei ihm gewesen! Wie wa-<br>ren dann aber die Handschuhe mit dem Blut in seine Wohnung<br>gelangt? Kannte Kram den M\u00f6rder? Oder wollte jemand ihm die<br>Schuld in die Schuhe schieben? Sona stand wie vor einer Wand,<br>durch die seine Blicke nicht drangen. Was war dahinter? Was hat-<br>te er \u00fcbersehen? W\u00e4hrend er \u00fcber diesem R\u00e4tsel br\u00fctete, traf ein<br>weiterer Anruf bei der Polizeizentrale ein. Die Leiche des T\u00fcrste-<br>hers sei aus der Leichenhalle verschwunden. Lisewic und Sona<br>fuhren mit Blaulicht ins B\u00fcro des Leichenbeschauers. Aber auch<br>hier gab es keine entscheidenden Hinweise. Ein Schuhabdruck<br>wie von einem Gartenstiefel, Schleifspuren voll schwerer Erde \u2013<br>nichts was die beiden Ermittler weiter brachte.<br>\u201eJetzt wird\u2018s psychologisch\u201c, knurrte der Inspektor, als er den<br>schweren Dienstwagen mit quietschenden Reifen durch die Ber-<br>liner Innenstadt steuerte. \u201eWer macht denn so etwas? Hast du so<br>etwas schon erlebt? Irgendwie gruselig.\u201c \u201eIch wei\u00df nicht\u201c, meinte<br>Sona gedankenverloren auf dem Beifahrersitz. \u201eSieht nach einem<br>Profi aus: keine Leiche, keine Tat. Ganz sch\u00f6n durchtrieben.\u201c \u201eDer<br>T\u00e4ter, der die Leiche gestohlen hat, muss Insiderwissen haben.<br>Sonst w\u00e4re er da gar nicht ungesehen rein- und wieder rausge-<br>kommen. Aber wieso hinterl\u00e4sst er dann so offensichtliche Spu-<br>ren wie in einem Gartencenter?\u201c \u201eVielleicht gibt es eine dunkle<br>Seite in ihm, die gefunden werden will\u201c, murmelte Sona vor sich<br>hin. Laut sagte er: \u201eDas war ein harter Tag, lass uns morgen noch<br>einmal ganz von vorne anfangen und jedes Detail noch einmal<br>beleuchten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4t abends kam der Kommissar m\u00fcde, verwirrt und sehr<br>durcheinander nach Hause. W\u00e4hrend er den Schl\u00fcssel heraushol-<br>te und die T\u00fcr tr\u00e4ge mit einem m\u00fcden Sto\u00df \u00f6ffnete, beschlich ihn<br>ein unheimlicher Schauder. Es roch auff\u00e4llig nach Erde und der<br>Berg schmutzige W\u00e4sche lag immer noch auf dem Boden im Flur.<br>Auf dem Boden in der K\u00fcche erblickte er Fu\u00dfspuren wie die von<br>schweren Gartenstiefeln, die ins Wohnzimmer f\u00fchrten. Was war<br>hier los? Sona zog seine Waffe und schlich, nachdem er erst mehr-<br>mals tief Luft holen musste, an der Wand entlang \u2013 und stolperte<br>fast \u00fcber einen Spaten und einen rostigen Gartenzaunpfahl, der<br>dort lehnte. All das kam ihm auf einmal erschreckend bekannt<br>vor. Ihm wurde schwindelig, die Welt schien sich vor Sonas Au-<br>gen zu drehen. Er atmete noch einmal tief ein, drehte sich blitz-<br>schnell um, richtete die Waffe in Richtung Sofa und da sah er sie,<br>die Person, die ihn in seinen Albtr\u00e4umen verfolgt hatte. Es dauer-<br>te einige Sekunden bis Leon realisierte, was da auf seiner Couch<br>drapiert war \u2013 die Leiche. Ein markersch\u00fctternder Schrei, Augen-<br>blicke bevor er zusammenbrach.<\/p>\n\n\n\n<p>M\u00fcnchner Kinder-Krimipreis, Lisa S.<\/p>\n\n\n\n<p>Verwendet f\u00fcr folgendes Produkt des \u00a0w\u00a0\u00f6\u00a0r\u00a0t\u00a0e\u00a0r\u00a0k\u00a0i\u00a0o\u00a0s\u00a0k: <a href=\"https:\/\/www.woerterwerkstatt.com\/?page_id=378\/#klappschachtel\">klappschachtel<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.woerterwerkstatt.com\/?page_id=378\/#t\u00fctenheft\">t\u00fctenheft<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.woerterwerkstatt.com\/?page_id=378\/#poster\">poster<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war bereits nach Mitternacht, als Leon Sona, Kommissar beider Berliner Mordkommission, pl\u00f6tzlich von dem Klingeln seinesHandys aufwachte. Gerade rechtzeitig, denn eine dunkle Personhatte ihn durch seine Tr\u00e4ume gejagt. 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